Sonne, Wärme, Urlaub. Und der Diabetes ist natürlich mit im Gepäck.
Der Sommer bringt einige Besonderheiten mit sich, die Menschen mit Diabetes im Blick behalten sollten. Temperaturen über 30 Grad, veränderte Tagesabläufe, Bewegung im Freien und Reisen beeinflussen den Blutzuckerspiegel mehr, als man denkt. Hier findest du die wichtigsten Tipps für einen sicheren und entspannten Sommer mit Diabetes, mit einem kleinen Augenzwinkern und ganz ohne Hitzekoller.
1. Insulin und Hitze: keine gute Kombination
Insulin ist temperaturempfindlich und verliert bei starker Hitze an Wirksamkeit. Bereits ab 25 °C sollte man aufpassen, ab 30 °C wird es kritisch. Besonders im Auto oder in direkter Sonne kann es schnell zu warm werden. Eine systematische Cochrane-Übersicht zur thermischen Stabilität von Humaninsulin bestätigt: oberhalb der Hersteller-Temperatur-Empfehlungen nimmt die Insulin-Aktivität messbar ab, je nach Insulin-Variante in unterschiedlichem Tempo [1]. Eine kritische Reanalyse der Lagerungs-Empfehlungen kommt zu vergleichbaren Ergebnissen und unterstreicht den Schutz vor Sonneneinstrahlung [2].
Tipp: Bewahre dein Insulin stets kühl auf, am besten in einer Kühltasche oder mit einem speziellen Insulin-Kühletui. Achte darauf, dass auch Blutzuckermessgeräte, Sensoren und Teststreifen keiner direkten Hitze ausgesetzt sind. Die genauen Temperatur-Grenzen pro Insulin-Variante stehen auf der Packungsbeilage.
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2. Flüssigkeitshaushalt: Trinken ist vor allem bei Diabetes wichtig
Bei hohen Temperaturen verliert der Körper schneller Flüssigkeit, durch Schwitzen und auch durch die Atmung. Bei Flüssigkeitsmangel kann der Blutzuckerspiegel steigen, da die Glukose im Blut „konzentrierter" wird. Gleichzeitig kann es bei sportlicher Aktivität oder Bewegung zu Unterzuckerungen kommen.
Tipp: Trinke ausreichend. Am besten Wasser oder ungesüßte Getränke. Ideal sind 1,5 bis 2 Liter täglich, bei Hitze auch mehr. Achte auf Anzeichen von Dehydrierung: Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsprobleme oder trockene Haut.
3. Bewegung und Sport: gut für den Blutzucker, aber nicht ohne Planung
Im Sommer sind viele aktiver, ob beim Schwimmen, Wandern oder Radfahren. Das ist grundsätzlich gut, aber erhöhte Aktivität kann zu Unterzuckerungen führen, insbesondere in Kombination mit Hitze. Die DDG-Praxisempfehlungen zu Diabetes und Sport [3] empfehlen explizit: bei sehr hoher Hitze oder hoher Luftfeuchtigkeit Outdoor-Training reduzieren, ausreichend trinken, und Insulin- oder Kohlenhydrat-Anpassungen mit der diabetologischen Praxis abstimmen, um Hypoglykämien während und nach dem Sport zu vermeiden.
Tipp:
- Miss regelmäßig deinen Blutzucker, vor, während und nach dem Sport.
- Hab immer schnell wirksame Kohlenhydrate dabei (z. B. Traubenzucker oder Fruchtsaft).
- Achte auch auf die Nachwirkung. Unterzuckerungen können einige Stunden nach dem Sport auftreten [3].
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4. Reisen mit Diabetes: Vorbereitung ist alles
Andere Zeitzonen, veränderte Essgewohnheiten oder ungewohnte körperliche Aktivitäten können den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Auch das Risiko, wichtige Utensilien zu vergessen oder sie der Hitze auszusetzen, ist auf Reisen höher.
Tipp:
- Nimm ausreichend Medikamente, Messgeräte und Zubehör mit. Lieber etwas zu viel als zu wenig.
- Bewahre alles im Handgepäck auf, auch bei Flugreisen. Insulin gehört nicht in den Frachtraum, weil die niedrigen Temperaturen dort die Wirksamkeit beeinträchtigen können [4].
- Für den Notfall: ein ärztliches Attest am besten auf Englisch, das das Mitführen von Insulin und Spritzen im Handgepäck bescheinigt. diabetesDE stellt einen Vordruck zum Download bereit [4]. Plus Diabetes-Notfall-Ausweis, Kopien der ärztlichen Bescheinigungen und ggf. einen internationalen Diabetes-Pass.
Damit du wirklich alle Utensilien, die deinen Diabetes betreffen, im Urlaub dabei hast, empfehlen wir dir eine unserer Reisetaschen. Der Vorteil ist, dass du alles zusammen verstauen kannst und nichts suchen musst. Klick dich gerne durch unsere Kategorie Diabetes-Reisetasche. Hier findest du Taschen in allen Farben und Größen. Mit Sicherheit ist auch eine für deinen Geschmack dabei.
5. Fußpflege bei Diabetes nicht vernachlässigen
Im Sommer läuft man häufiger barfuß oder in offenen Schuhen. Das erhöht das Risiko für Verletzungen, Sonnenbrand oder Verbrennungen. Besonders bei diabetischer Neuropathie (vermindertes Schmerzempfinden, eine mögliche Spätfolge bei Diabetes) können kleine Verletzungen schnell übersehen werden. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes empfiehlt für Menschen mit Diabetes und Empfindungs- oder Durchblutungsstörungen besonders sorgfältige Hautbeobachtung und tägliche Fußkontrolle [5].
Tipp (in Anlehnung an die NVL Typ-2-Diabetes [5]):
- Trage schützendes Schuhwerk, auch am Strand oder Pool.
- Kontrolliere deine Füße regelmäßig auf Verletzungen oder Druckstellen.
- Pflege deine Füße gut. Trockene Haut oder Risse können Eintrittspforten für Infektionen sein.
- Bei der Nagel- und Hornhaut-Pflege keine scharfen Instrumente, sondern Feile und Bimsstein verwenden. Hautpflege-Cremes auf Sohle und Fußrücken auftragen, nicht zwischen die Zehen.
- Fußpilz konsequent behandeln, Zehenzwischenräume nach dem Baden sorgfältig trocknen.
Zum Thema Hautschutz und Hautpflege findest du hier viele verschiedene Produkte: Hautschutz und Kleberentferner.
Fazit: Mit Diabetes sicher durch den Sommer, mit Planung und Achtsamkeit
Mit Diabetes durch den Sommer zu kommen, ist absolut machbar, wenn man ein paar Dinge im Blick behält. Hitze, Flüssigkeitshaushalt, körperliche Aktivität und gute Vorbereitung machen den Unterschied. Und auch wenn der Sommer die ein oder andere Herausforderung bringt: Mit dem richtigen Umgang kannst du die warme Jahreszeit in vollen Zügen genießen.
Quellen
- Richter B, Hemmingsen B, Metzendorf MI, et al. Thermal stability and storage of human insulin. Cochrane Database of Systematic Reviews 2023, Issue 11. Art. No.: CD015385. DOI: 10.1002/14651858.CD015385.pub2. Verfügbar unter: cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD015385.pub2.
- Heinemann L, Braune K, Carter A, Zayani A, Krämer LA. Insulin Storage: A Critical Reappraisal. Journal of Diabetes Science and Technology 2021;15(1):147–159. Verfügbar unter: pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7783014.
- Brinkmann C, Halle M, Bracht CG, et al. Diabetes, Sport und Bewegung. Diabetologie und Stoffwechsel 2023. Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Verfügbar unter: DDG Praxisempfehlungen Sport 2023 (PDF).
- diabetesDE — Deutsche Diabetes-Hilfe. Ärztliche Bescheinigung für Flugreisen und Grenzkontrollen. Vordruck zum Download. Verfügbar unter: diabetesde.org/aerztliche-bescheinigung-fuer-flugreisen-und-grenzkontrollen.
- Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (NVL). Version 3.0, 2023–2025, Kapitel zu Fußkomplikationen. Verfügbar unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-001.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine Sammlung praxisnaher Tipps und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsberatungsliche Beratung. Bei Fragen zur Insulin-Lagerung im Detail (z. B. spezifische Hersteller-Specs einzelner Insulin-Varianten) wende dich an die Apotheke oder den Hersteller. Bei Fragen zu Therapie-Anpassungen rund um Hitze, Sport oder Zeitzonen-Wechsel an deine diabetologische Praxis.
