Aktualisiert: Mai 2026 · von Sonja Spörlein, Gründerin Zuckerschmuck und Typ 1 seit 30 Jahren
🩹 Auf einen Blick: Libre 1, 2 und 3 im Vergleich
Kurz gesagt: Alle drei Sensor-Generationen messen über Gewebezucker (interstitielle Flüssigkeit), nicht direkt im Blut — das erklärt eine gewisse natürliche Verzögerung gegenüber Blutzuckerwerten.
- FreeStyle Libre 1: 14 Tage Tragedauer · keine Echtzeit-Alarme · MARD ca. 11,4 % laut Pivotal-Studie [2]
- FreeStyle Libre 2: 14 Tage Tragedauer · optionale Hypo-/Hyper-Alarme · verbesserter Algorithmus [3]
- FreeStyle Libre 3: 14 Tage Tragedauer · Echtzeit-Streaming auf Smartphone · deutlich kleinerer Sensor · weiterhin keine Kalibrierungs-Option [1]
- Hersteller aller drei: Abbott Diabetes Care
MARD (Mean Absolute Relative Difference) = mittlere absolute prozentuale Abweichung des Sensors gegenüber einem Labor-Referenzwert. Je niedriger, desto genauer. Ein MARD von 10 % gilt klinisch als gut.
💜 Warum ich den Libre seit 2015 trage
Ich nutze den FreeStyle Libre 1 seit Markteinführung in Deutschland im November 2015 — und er war der Anstoß für mich, Zuckerschmuck zu gründen. Nur während meiner Schwangerschaft bin ich wegen der fehlenden Alarmfunktion zum Dexcom G5 gewechselt. Da ich den Dexcom G5 aber immer am Körper gespürt habe und ihn als recht klobig empfand, bin ich danach wieder zum Libre zurückgekehrt — er hat den besseren Tragekomfort, ich mag ihn einfach. Nur die Alarmfunktion in der Nacht habe ich im Vergleich zum Dexcom etwas vermisst.
🧪 Was mich am Libre 2 interessiert hat
Kurz gesagt: Mich hat vor allem die Frage gereizt, ob der Libre 2 wirklich „besser" misst als der Libre 1.
Deswegen hat es mich riesig gefreut, dass Abbott den FreeStyle Libre 2 mit Alarmfunktionen ausgestattet hat und ich ihn testen durfte. Interessiert hat mich am allermeisten, ob es stimmt, dass der Libre 2 „besser" misst als der Libre 1.
📊 Mein Setup: Libre 1 + Libre 2 + Blutzucker parallel
Deswegen habe ich Libre 1 und 2 parallel getragen und gleichzeitig meine Blutzuckerwerte gemessen. Hier meine Ergebnisse — pink = FreeStyle Libre 1, blau = FreeStyle Libre 2, dazwischen die Blutzuckermessung aus dem Finger:
✅ Gute Übereinstimmungen
Kurz gesagt: In den meisten Vergleichs-Messungen lagen Libre 1, Libre 2 und Blutzuckerwert eng beieinander.
Die ersten drei Bilder zeigen gute Übereinstimmungen zwischen Libre 1, Libre 2 und Blutzuckermessung. Leider gab es auch andere Ergebnisse:
⚠️ Schlechte Übereinstimmungen — auch das ist Realität
Kurz gesagt: Bei einzelnen Sensoren zeigte sich eine konstante Abweichung — meist in eine Richtung und über die ganze Tragedauer hinweg.
Ich habe natürlich mehr Vergleichswerte gemessen als die hier gezeigten — das hier ist nur ein beispielhafter Auszug, aber von den Ergebnissen her sind die Bilder repräsentativ.
📣 Mein Fazit
Vorab kurz: Das hier ist mein persönliches Erlebnis als Typ-1-Diabetikerin seit 30 Jahren — kein Behandlungs-Tipp. Therapie-Entscheidungen besprich bitte immer mit deiner diabetologischen Praxis.
Bei mir persönlich gab es schon immer Sensoren, die näher an den gemessenen Blutzuckerwerten lagen, und Sensoren, die eine (regelmäßige!) Abweichung hatten. In den ersten 24 Stunden messen die Sensoren auch meistens ungenauer als in der folgenden Laufzeit. Ich habe schon immer mindestens 1× täglich eine Vergleichs-Blutmessung mit Basiswerten (stabile Werte ohne vorherige Kohlenhydrat- oder Insulingaben) zum Libre-Sensor gemacht, um ein Feedback zu erhalten, ob ich mich recht genau auf den Libre verlassen kann oder ob ich im Kopf eine gewisse Differenz einkalkulieren muss.
Denn ich habe festgestellt, dass Sensoren mit Abweichung zum Blutzuckerwert fast immer in die gleiche Richtung nach oben oder unten abweichen — und die Abweichung unabhängig von der Höhe der Glukose-/Blutzuckerwerte sehr ähnlich bleibt (z. B. immer +ca. 30 mg/dl zum tatsächlichen Wert oder ca. −20 mg/dl zum tatsächlichen Wert). Deswegen konnte ich auch mit einem abweichenden Sensor für mich selbst gute Therapieentscheidungen treffen und habe mich mit dem Libre immer sehr sicher gefühlt. Auch meine HbA1c-Werte lagen mit Libre und nur sehr wenigen Vergleichs-Blutzuckermessungen in guten 6er-HbA1c-Bereichen.
Wo es kritisch wird: bei Alarmen
Kritisch werden Abweichungen, wenn man auf Alarmsignale vertraut. Und ärgerlich, wenn man nachts grundlos wegen angeblicher Hypo aufgeweckt wird. Bei mir war das einmal der Fall: Libre gab Alarm für <60 mg/dl, mein gemessener Blutzuckerwert lag bei unbedenklichen 92 mg/dl und war auch nicht sinkend. Da ist man irritiert und etwas verunsichert und vertraut den Libre-Werten und Alarmen nicht mehr so ganz. Vielleicht liegt das daran, dass ich wohl zu dem geringen Anteil an Libre-Nutzern gehöre, bei denen die Sensoren laut meiner Diabetologin unerklärliche Abweichungen haben. Da wäre dann nichts zu machen.
💭 Mein Wunsch — und das Update zum FreeStyle Libre 3
Ich hätte aber eine Lösung, denn ich finde den Libre vom Handling und von der Größe her so toll, dass kein anderes CGM mithalten kann: Ich wünsche mir, es gibt bald einen „FreeStyle Libre 3" mit der Option auf Kalibrierung. Dann könnte ich meine Abweichungen „wegkalibrieren" und den Messergebnissen und Alarmen mehr vertrauen. Denn ich bin und bleibe ein Libre-Fan 🌈
❓ Häufige Fragen rund um FreeStyle Libre 1, 2 und 3
Was ist der Unterschied zwischen FreeStyle Libre 1 und 2?
Der wichtigste Unterschied: Der Libre 2 hat optionale Echtzeit-Alarme für hohe und niedrige Glukosewerte, der Libre 1 hat das nicht. Der Algorithmus wurde leicht überarbeitet, beide tragen 14 Tage. Sensorform und Setzhilfe sind weitgehend identisch [1].
Was ist der Unterschied zwischen FreeStyle Libre 2 und 3?
Der Libre 3 ist deutlich kleiner und flacher als der Libre 2, streamt Werte automatisch alle Minute auf dein Smartphone (statt Scannen-müssen) und bringt von Haus aus Hypo-/Hyper-Alarme. Beide Sensoren sind faktorymäßig kalibriert, beide tragen 14 Tage, beide kommen ohne Kalibrierungs-Option [1].
Wie genau misst der FreeStyle Libre 2 wirklich?
Klinische Studien zeigen für die Libre-Sensor-Familie einen MARD-Wert (mittlere absolute prozentuale Abweichung) im Bereich von ca. 9–11,4 % — beim Libre 1 lag er in der Pivotal-Studie bei 11,4 % [2], neuere Algorithmus-Versionen kommen je nach Studie auf etwa 9,2 % [3]. Wichtig: das sind Durchschnittswerte; einzelne Sensoren können stärker abweichen.
Kann ich den FreeStyle Libre kalibrieren?
Nein. Alle drei Sensor-Generationen (Libre 1, 2, 3) sind faktorymäßig kalibriert — du kannst sie nicht selbst auf einen Blutzuckerwert eichen. Bei dauerhafter Abweichung bleibt nur, die Differenz mental einzukalkulieren oder mit deiner diabetologischen Praxis zu sprechen.
Was bedeutet ein MARD-Wert?
MARD steht für „Mean Absolute Relative Difference" — also die mittlere absolute prozentuale Abweichung des Sensors gegenüber einem Labor-Referenz-Blutzuckerwert. Je niedriger der Wert, desto genauer. Ein MARD unter 10 % gilt klinisch als gut [2,3]. Wichtig zu wissen: MARD ist ein Durchschnitt — einzelne Messungen können deutlich davon abweichen.
Was tun, wenn der Libre falsche Hypo-Alarme gibt?
Erstes Vorgehen: mit dem Finger gegenmessen. Wenn die Abweichung deutlich ist und über mehrere Tage anhält, Sensor-Reklamation bei Abbott prüfen (Produktreklamation über die FreeStyle-Hotline). Bei wiederkehrenden Alarmen mit deiner diabetologischen Praxis sprechen — evtl. ist ein anderes CGM-System für dich passender [4].
🛍️ Tapes, Sticker und Sensorhalter für deinen Libre
Du nutzt einen FreeStyle Libre und möchtest den Sensor diskret tragen oder bunter gestalten? Bei Zuckerschmuck findest du:
- Sensor-Sticker für FreeStyle Libre 1, 2 und 3
- Sensorhalter Einbandsystem und Wechselband-Halter
- Kaschierungstapes zum Überkleben
- Taschen für das Libre-Lesegerät
📚 Methodik-Hinweis & Quellen
Methodik: Die im Artikel gezeigten Vergleichs-Messungen wurden privat im Alltag durchgeführt — Libre 1 und Libre 2 parallel am Körper, Blutzuckermessung aus dem Finger als Referenz. Die Bilder zeigen einen beispielhaften Auszug. Es handelt sich um eine private N=1-Selbstbeobachtung — keine klinische Studie. Statistisch belastbare Genauigkeitswerte stammen aus den Hersteller- und Pivotal-Studien (siehe Quellen).
- Abbott Diabetes Care. FreeStyle Libre 2 / FreeStyle Libre 3 — Gebrauchsanweisung. Wiesbaden: Abbott Laboratories. Verfügbar unter: https://www.freestyle.abbott/de-de [Zugriff: 08.05.2026].
- Bailey T, Bode BW, Christiansen MP, Klaff LJ, Alva S. The Performance and Usability of a Factory-Calibrated Flash Glucose Monitoring System. Diabetes Technol Ther. 2015;17(11):787–794. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26171659/ [Zugriff: 08.05.2026].
- Alva S, Bailey T, Brazg R, Budiman ES, Castorino K, Christiansen MP, et al. Accuracy of a 14-Day Factory-Calibrated Continuous Glucose Monitoring System With Advanced Algorithm in Pediatric and Adult Population With Diabetes. J Diabetes Sci Technol. 2022;16(1):70–77. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32842770/ [Zugriff: 08.05.2026].
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Bundesärztekammer, AWMF. S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes. AWMF-Register-Nr. 057-013. 2. Auflage; 2023. Verfügbar unter: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/057-013 [Zugriff: 08.05.2026].
- Heinemann L, Kamann S. Adhesives Used for Diabetes Medical Devices: A Neglected Risk With Serious Consequences? J Diabetes Sci Technol. 2016;10(6):1211–1215. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27562857/ [Zugriff: 08.05.2026].
Hinweis: Dieser Artikel ist ein persönlicher Erfahrungsbericht und ersetzt keine ärztliche oder diabetologische Beratung. Die Wahl eines CGM-Systems und die Auswertung von Sensorwerten gehören in die Hände deiner diabetologischen Praxis.
Eure Sonja
Gründerin Zuckerschmuck und Typ 1 seit 30 Jahren
